Pokémon Karten graden lassen 2026: Was PSA, Beckett und CGC in Deutschland kosten

12.09.2026 · Lesezeit 9 Min · Ratgeber
PSA 8, BGS 9.5 und CGC Pristine 10 Slabs nebeneinander, Foto KaraCardz

Stand: 11. September 2026. Preise laut den offiziellen Angaben der Anbieter, Laufzeiten sind deren Schätzungen in Werktagen.

Bis vor kurzem hieß Grading für deutsche Sammler: Karten in die USA schicken, Wochen warten, beim Rückversand mit Zoll und Einfuhrumsatzsteuer rechnen und hoffen, dass das Paket heil ankommt. Das ändert sich gerade grundlegend. PSA nimmt ab dem 15. September 2026 in Frankfurt Einsendungen aus der ganzen EU an, Beckett gradet seit 2025 in Lage bei Bielefeld, CGC seit 2023 in München. Alle drei großen Namen sitzen damit in Deutschland. Hier steht, was das kostet, wie lange es dauert und ab wann es sich für deine Karte überhaupt lohnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • PSA Frankfurt: Einsendung direkt als Sammler ab 15.9.2026, Einführungspreis 49,99 Euro pro Karte in der Stufe Standard, 80 bis 90 Werktage.
  • Beckett in Lage: einziger Anbieter mit vier Teilnoten (Subgrades), Basisstufe zuletzt rund 23 Euro inkl. MwSt., dafür 75 Werktage und mehr.
  • CGC in München: günstigste Einstiegsstufe der drei, Economy um 20 Euro, deutlich kürzere Laufzeiten als PSA.
  • Kein US-Versand mehr nötig, also kein Zoll, keine Einfuhrumsatzsteuer, keine Wochen auf dem Postweg.
  • Faustregel: Grading lohnt sich, wenn die Karte gegradet klar mehr wert ist als raw plus alle Kosten. Bei Raw-Karten unter etwa 30 Euro geht die Rechnung fast nie auf.

PSA in Frankfurt: Preise und Laufzeiten

PSA hat am 9. September 2026 angekündigt, ab dem 15. September um 0:01 Uhr Einsendungen aus allen 27 EU-Ländern direkt in Frankfurt anzunehmen, ausdrücklich auch von privaten Sammlern, nicht nur von Händlern. Gleichzeitig hat PSA die Service-Stufen umbenannt: aus „Regular" wurde „Priority", aus „Walk-Through" wurde „Premier", und mit „Standard" kam eine neue, günstigere Stufe dazu. Die Value- und Bulk-Stufen bleiben weltweit pausiert, PSA arbeitet noch einen Rückstau von rund 9,9 Millionen Karten ab.

Für Deutschland hat PSA eigene Einführungspreise in Euro veröffentlicht, die unter den US-Preisen liegen:

Stufe (PSA Europa) Preis pro Karte Laufzeit (Werktage)
Standard Intro 49,99 Euro 80 bis 90
Priority Intro 69,99 Euro 70 bis 80
Express 199 Euro 25 bis 30
Super Express 349 Euro 25 bis 30
Premier 599 Euro 25 bis 30
Premium ab 999 Euro 25 bis 30

Zum Vergleich: in den USA kostet Standard 59,99 Dollar und Priority 79,99 Dollar. „Intro" heißt Einführungspreis, PSA hat nicht gesagt, wie lange er gilt. Die Wertgrenzen pro Stufe (in den USA: Standard bis 1.000 Dollar Kartenwert, Priority bis 1.500, Express bis 2.500, Super Express bis 5.000, Premier bis 10.000) hat PSA für Frankfurt noch nicht in Euro genannt. Wichtig für die Planung: Standard-Einsendungen werden erst nach den noch offenen Value- und Bulk-Aufträgen bearbeitet, die 80 bis 90 Werktage sind also eher die Untergrenze.

So läuft es: Konto auf psacard.com anlegen, Einsendung online erfassen, Karten in Kartenhüllen und Cardsaver (keine Toploader, das ist bei allen drei Anbietern Vorschrift) versichert nach Frankfurt schicken. Der Rückweg ist ein normales Inlandspaket.

Beckett (BGS) in Lage: die einzigen mit Teilnoten

Beckett Europe gradet seit Januar 2025 komplett vor Ort in Lage in Nordrhein-Westfalen, in der ehemaligen Anlage eines europäischen Grading-Dienstleisters. Einsenden kannst du als Privatperson direkt online über beckett.com/eu, ein Händler als Zwischenstation ist nicht nötig.

Was BGS von den anderen unterscheidet: die Karte bekommt vier Teilnoten für Zentrierung, Ecken, Kanten und Oberfläche, aus denen die Gesamtnote entsteht. Du siehst also nicht nur die 9, sondern auch, woran sie lag. Für Karten, bei denen zwischen 9 und 9,5 ein deutlicher Preissprung liegt, ist das Gold wert. Die Basisstufe lag zuletzt bei rund 23 Euro inkl. MwSt. mit Subgrades bei 75 Werktagen und mehr. Beckett hat die günstigen Stufen im Sommer 2026 wegen des Andrangs zeitweise geschlossen (in den USA stiegen die Einsendungen um über 100 Prozent, bei Sammelkarten um über 150 Prozent) und will sie Mitte September wieder öffnen. Prüfe die aktuellen Preise und Laufzeiten deshalb direkt auf beckett.com/eu, bevor du einsendest.

CGC in München: günstig und vergleichsweise schnell

CGC Cards hat seit März 2023 ein Büro in der Münchner Seidlstraße und gradet dort seit Dezember 2023 Sammelkarten vollständig vor Ort. Eingesendet wird über eine Mitgliedschaft (ab etwa 23 Euro im Jahr), per Post oder nach Terminvereinbarung persönlich. Die europäische Preisliste von CGC nennt für London Economy 19 Pfund inkl. MwSt. (Karten bis 800 Pfund Wert, 50 Werktage), Standard 54 Pfund (bis 2.500 Pfund), Express 96 Pfund (bis 8.000 Pfund) und Bulk 16,80 Pfund ab 25 Karten. Für München liegt Economy laut deutscher Preisliste bei rund 22,61 Euro inkl. MwSt., der Rückversand innerhalb Deutschlands kostet 33,32 Euro für ein bis fünf Karten. Besonderheit bei CGC: über der Gem Mint 10 gibt es noch die „Pristine 10" für praktisch perfekt zentrierte Karten, die entsprechend selten vergeben wird.

Versandkarton mit Luftpolsterfolie und Kartenhalter
Cardsaver statt Toploader, gepolstert im Karton: so wollen alle drei Anbieter die Karten haben. KI-generiertes Bild.

Die ehrliche Gesamtrechnung

Die Gebühr pro Karte ist nur ein Teil. Rechne dazu:

  • Versand hin: versichertes Paket innerhalb Deutschlands, je nach Wert 7 bis 25 Euro. Standardversicherungen decken meist nur 500 Euro, bei teuren Karten brauchst du eine Zusatzversicherung.
  • Versand zurück: wird vom Anbieter berechnet, bei CGC zum Beispiel 33,32 Euro für bis zu fünf Karten. Teile das durch die Zahl der Karten, deshalb lohnen sich Einsendungen mit mehreren Karten.
  • Material: Kartenhüllen und Cardsaver, ein paar Cent pro Karte.
  • Zeit: bei den günstigen Stufen bis zu vier Monate, in denen die Karte weg ist. Bei fallenden Preisen kann das den Gewinn auffressen.

Beispiel: fünf Karten bei PSA Standard Intro kosten 249,95 Euro Gebühr, dazu rund 15 Euro Hinversand und der Rückversand. Pro Karte landest du grob bei 60 bis 65 Euro all-in. Eine Raw-Karte, die 40 Euro wert ist, muss gegradet also deutlich über 100 Euro bringen, damit sich das rechnet, und das schafft sie meist nur als 10.

Was der Wegfall des US-Versands wirklich spart

Wer bisher direkt in die USA geschickt hat, kennt den Haken beim Rückweg: die Karten kommen aus Zollsicht als Ware aus einem Drittland zurück. Ohne vorherige Anmeldung einer „passiven Veredelung" beim Zoll wurden auf den Kartenwert 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer fällig, dazu je nach Einstufung Zoll, plus Gebühren des Paketdienstes für die Abwicklung. Bei einer Sammlung im Wert von 2.000 Euro sind das schnell 400 Euro extra, für Karten, die dir längst gehören. Bei Grading innerhalb der EU entfällt das komplett. Das ist der eigentliche Grund, warum Frankfurt, Lage und München für deutsche Sammler günstiger sind, auch wenn die Gebühr pro Karte ähnlich aussieht.

Lupe, Kartenhalter und Handschuhe auf dunklem Tisch
Vor dem Einsenden lohnt der genaue Blick auf Zentrierung, Ecken, Kanten und Oberfläche. KI-generiertes Bild.

Wann sich Grading lohnt und wann nicht

Drei Fragen, bevor du einsendest:

  1. Was ist die Karte raw wert, und was als 9 oder 10? Bei modernen Karten liegt eine 10 häufig beim Zwei- bis Dreifachen der 9, bei gesuchten Vintage-Karten deutlich darüber. Extremes Beispiel: ein Glurak aus dem Base Set, 1. Edition, erzielte als PSA 10 im Dezember 2025 bei einer Auktion 550.000 Dollar, als PSA 9 sind es tiefe fünfstellige Beträge. Zwischen 8 und 9 ist der Sprung meist klein.
  2. Wie gut ist die Karte wirklich? Zentrierung, Ecken, Kanten, Oberfläche. Ein einziger Whitening-Punkt an einer Ecke kostet die 10. Die meisten Karten, die Sammler für „perfekt" halten, kommen als 8 oder 9 zurück.
  3. Trägt die Karte die Kosten? Unter etwa 30 Euro Raw-Wert rechnet sich Grading praktisch nie, außer die Karte hat für dich persönlich einen Wert, der nichts mit dem Markt zu tun hat. Das ist auch ein guter Grund.

Genau für Frage zwei gibt es unser Pre-Grading: wir schauen uns deine Karte an, bevor du Gebühren und Monate investierst, und sagen dir, welche Note realistisch ist. Dann schickst du nur die Karten los, bei denen es sich lohnt.

Was nicht gegradet wird, und die Gebühr trotzdem kostet

Alle drei Anbieter verweigern die Note bei beschnittenen (getrimmten), nachgefärbten, gereinigten oder anderweitig veränderten Karten und bei Fälschungen. Die Karte kommt dann ohne Note oder mit dem Vermerk „Authentic Altered" zurück. Die volle Gebühr der gewählten Stufe wird trotzdem fällig, das steht bei PSA, Beckett und CGC gleichermaßen in den Bedingungen. Wer bei einer Karte unsicher ist, ob sie beschnitten wurde, sollte das vorher klären lassen.

PSA 8, BGS 9.5 und CGC Pristine 10 nebeneinander
Drei Bewerter, drei Gehäuse: Squirtle Holo aus der McDonald's-Serie als PSA 8, Mega Dragonite ex als BGS 9.5 und Black Kyurem 1st Edition als CGC Pristine 10, alle aus unserem Bestand. Foto: KaraCardz

Die drei Wege für deutsche Sammler

  1. Direkt einsenden. PSA Frankfurt ab 15.9.2026 über psacard.com, Beckett Lage über beckett.com/eu, CGC München über cgccards.com mit Mitgliedschaft. Günstigster Weg, du trägst Versand und Verpackung selbst.
  2. Sammeleinsendung über einen Händler. Der Händler bündelt Karten vieler Kunden, kümmert sich um Verpackung, Versand und Versicherung und nimmt dafür einen Aufschlag. Sinnvoll, wenn du wenige Karten hast und den Aufwand nicht willst. Frag vorher nach dem Gesamtpreis pro Karte und der Laufzeit inklusive Sammelzeit, die kommt zur Anbieter-Laufzeit noch dazu.
  3. Erst prüfen lassen, dann einsenden. Der Weg für alle, die schon einmal eine Karte als 8 zurückbekommen haben, die „sicher eine 10" war. Unser Pre-Grading ist genau dafür gebaut.

Häufige Fragen

Welche Note brauche ich, damit sich das lohnt?

Bei modernen Karten fast immer die 10. Eine 9 bringt oft nur wenig mehr als die Raw-Karte, manchmal nach Abzug der Kosten sogar weniger. Bei Vintage-Karten ab etwa 1999 bis 2003 lohnt sich auch eine 8 oder 9, weil hohe Noten dort selten sind.

Ist PSA, Beckett oder CGC „besser"?

Für den Wiederverkaufswert ist PSA in Deutschland der Standard, die meisten Käufer suchen gezielt nach PSA. Beckett punktet mit Subgrades, CGC mit Preis und Laufzeit. Wenn du verkaufen willst, nimm den Anbieter, den deine Käufer kennen. Wenn du sammelst, den, dessen Gehäuse und Etikett dir gefallen.

Muss ich die Karten in Toploader schicken?

Nein, ausdrücklich nicht. Alle Anbieter wollen die Karte in einer weichen Hülle plus Cardsaver (halbstarre Hülle). Toploader werden abgelehnt oder gegen Gebühr umgepackt, weil sich die Karte darin nicht sicher entnehmen lässt.

Wie versichere ich den Versand richtig?

Wert ehrlich angeben, Paket statt Brief, Sendungsverfolgung, und bei Werten über 500 Euro eine Zusatzversicherung buchen. Fotografiere die Karten und die Verpackung vor dem Versand.

Ich habe schon gegradete Karten und will sie verkaufen?

Dann findest du unter Ankauf, wie das bei uns läuft, und unter PSA-Karten, was aktuell im Shop ist.

Quellen

  • PSA, „PSA Opens New Standard Service Level and Begins Grading in Europe", 9. September 2026 (psacard.com)
  • PSA, Service-Stufen Europa (Deutschland), offizieller Instagram-Kanal, September 2026
  • PSA, „PSA to Open First Full-Scale Grading Facility in Europe", 23. September 2025 (psacard.com)
  • Beckett, Pressemitteilung zur Eröffnung in Lage, 28. Januar 2025 (prnewswire.com)
  • CGC Cards, Preisliste CCG UK London (cgccards.uk) und Eröffnung München (cgccomics.com, 27. März 2023)
  • Zoll, Verfahren „Passive Veredelung" (zoll.de)
  • Heritage Auctions, Verkauf Base Set Glurak 1. Edition PSA 10, Dezember 2025