Pokémon Karten Wert ermitteln: die Anleitung in vier Schritten
Der Karton vom Dachboden, die Sammlung aus der Schulzeit, der Stapel aus dem letzten Display: irgendwann kommt bei jedem die Frage, was das eigentlich wert ist. Die Antwort ist selten eine einzige Zahl, und die App, die eben 400 Euro angezeigt hat, liegt meistens daneben. Wert entsteht bei Pokémon Karten aus drei Dingen: welche Karte es genau ist, in welchem Zustand sie ist und was jemand aktuell wirklich dafür bezahlt. In dieser Anleitung gehen wir die vier Schritte durch, mit denen du das selbst herausfindest, und zwar in derselben Reihenfolge, in der wir täglich Sammlungen bewerten.
Das Wichtigste in Kürze
- Erst bestimmen, dann bewerten. Ohne Kartennummer, Sprache und Auflage ist jeder Preis geraten.
- Der Zustand entscheidet mehr als das Alter. Dieselbe Karte kann zwischen Near Mint und Played den halben Preis verlieren.
- Nur verkaufte Karten zählen. Angebotspreise sind Wunschzettel, keine Marktwerte.
- Alt ist nicht automatisch teuer. Eine Common aus 1999 bleibt eine Common.
- Graden hebt den Wert nur oben. Bei günstigen Karten frisst die Gebühr den Gewinn auf.
Schritt 1: Die Karte eindeutig bestimmen
Unten rechts auf der Karte steht die Nummer, zum Beispiel 4/102. Die erste Zahl ist die Karte, die zweite die Größe des Sets. Genau dieses Paar brauchst du, denn viele Pokémon sind über die Jahre dutzendfach erschienen. Glurak gibt es nicht einmal, sondern in über hundert Varianten, und dazwischen liegen mehrere Tausend Euro Unterschied.
Drei Dinge liest du an derselben Stelle mit ab:
- Die Sprache. Japanische Karten haben eine eigene Nummerierung und oft einen anderen Nenner als die internationale Version derselben Serie. Beim Jubiläumsset bedeutet /103 japanisch und /128 international.
- Die Auflage. Bei den alten englischen Sets sitzt links neben dem Bild manchmal ein Stempel mit einer 1: das ist die erste Auflage, 1st Edition. Bei den ganz frühen Karten aus dem Base Set gibt es zusätzlich die Variante ohne Schatten am Bildrahmen, Shadowless genannt. Beide bringen ein Vielfaches der normalen Auflage.
- Das Setsymbol. Das kleine Zeichen neben der Nummer ordnet die Karte ihrem Set zu. Direkt daneben steht bei neueren Karten ein einzelner Buchstabe, das Regulierungszeichen. Es entscheidet über die Turnierlegalität: in der Saison 2026/27 sind Karten mit H oder neuer im Standard-Format spielbar.
Karten mit einer Nummer über der Setgröße, also etwa 158/128, sind Secret Rares. Sie stecken seltener in den Boostern und liegen preislich fast immer über dem Hauptset.
Schritt 2: Die Seltenheit lesen
Neben der Nummer sitzt ein Symbol für die Seltenheit. Ein Kreis bedeutet Common, eine Raute Uncommon, ein Stern Rare. Das ist die Grundlage, aber sie sagt allein noch wenig über den Preis.
Interessant wird es bei den Stufen darüber, und die verrät seit der Serie Karmesin und Purpur die Farbe der Sterne:
- Zwei schwarze Sterne: Double Rare, also die normalen ex-Karten.
- Zwei silberne Sterne: Ultra Rare, die Vollbild-Versionen von ex-Karten und Unterstützern.
- Ein goldener Stern: Illustration Rare, das Pokémon im gemalten Vollbild.
- Zwei goldene Sterne: Special Illustration Rare, die gesuchteste Stufe der modernen Sets.
- Drei goldene Sterne: Hyper Rare, die goldene Karte am Ende des Sets.
Bei den alten Serien gibt es diese Abstufung nicht. Dort zählt vor allem, ob die Karte holo ist, also eine glänzende Bildfläche hat.
Eine eigene Gruppe sind die Reverse Holos: gewöhnliche Karten, bei denen der Hintergrund glänzt statt des Bildes. Seit der Legendary Collection von 2002 steckt in jedem Booster eine davon. Sie sind meist günstig, bei einigen älteren Sets aber deutlich gesuchter als die normale Version.
Schritt 3: Den Zustand ehrlich einschätzen
Das ist der Schritt, bei dem die meisten sich selbst beschenken. Vier Punkte prüfen wir bei jeder Karte, und du kannst das genauso machen:
- Zentrierung: Sind die Ränder oben, unten, links und rechts gleich breit? Vorder- und Rückseite getrennt anschauen.
- Ecken: spitz oder stumpf, weiß ausgefranst, geknickt.
- Kanten: Kantenweiß sieht man am besten, wenn du die Karte gegen eine dunkle Fläche hältst.
- Oberfläche: Karte schräg ins Licht kippen. Erst dann zeigen sich Kratzer, Druckstellen und Wellen, besonders auf Holo-Flächen.

Aus diesen vier Punkten ergibt sich die Einordnung, die im Handel üblich ist und die wir auch im Shop verwenden: Near Mint für Karten wie frisch aus dem Booster, Excellent für minimale Spuren, Good und Light Played für sichtbares Kantenweiß und leichte Kratzer, Played und Poor für alles darunter. Bei modernen Karten erwarten Käufer Near Mint, bei Vintage ist Excellent oder Light Played normal und völlig in Ordnung, solange es klar angegeben ist. Wichtig für die Bewertung: Preise im Internet beziehen sich fast immer auf Near Mint. Eine Karte mit runden Ecken ist nicht ein bisschen weniger wert, sondern oft nur noch die Hälfte.
Schritt 4: Nur verkaufte Karten zählen
Jetzt hast du Karte, Sprache, Seltenheit und Zustand. Damit kannst du den Preis nachsehen, und zwar ausschließlich an tatsächlich verkauften Exemplaren. Bei eBay filterst du dazu auf verkaufte Artikel, bei Cardmarket schaust du auf den Preisverlauf der letzten Wochen statt auf die aktuell günstigste Anzeige. Wer nur die Angebote ansieht, liest Wunschpreise von Karten, die seit Monaten nicht weggehen.
Vier Fallen dabei:
- Falsche Version. Achte darauf, dass Sprache, Nummer und Auflage übereinstimmen. Japanisch und englisch sind zwei getrennte Märkte.
- Falscher Zustand. Ein Treffer ohne Zustandsangabe taugt nicht als Vergleich, und eine gegradete Karte in einer PSA 10 hat mit deiner raw Karte preislich nichts zu tun.
- Einzelne Ausreißer. Ein Verkauf ist Zufall, fünf Verkäufe sind ein Preis. Nimm die Mitte, nicht das Maximum.
- Zeitraum. Preise von vor zwei Jahren helfen nicht. Bei frischen Sets fallen sie in den ersten Wochen nach Release oft deutlich.
Warum Apps und Scanner selten den echten Wert zeigen
Eine Scanner-App ist gut darin, die Karte zu erkennen und dir Nummer und Set zu nennen. Das spart Zeit, gerade bei japanischen Karten. Beim Preis hört es auf: die Kamera sieht keine Zentrierung, kein Kantenweiß und keine Kratzer auf der Holo-Fläche, und viele Apps zeigen Listenpreise statt erzielter Verkäufe. Dazu kommt der Klassiker, dass die Reverse-Holo-Variante mit der normalen verwechselt wird. Nutz den Scanner also zum Bestimmen und mach den Preis danach selbst, mit Schritt 3 und 4.
Raw oder gegradet: wann Graden den Wert hebt

Gegradete Karten stecken in einem versiegelten Halter mit einer Note von 1 bis 10. Bei gesuchten Karten in sehr gutem Zustand ist der Unterschied zwischen raw und einer hohen Note enorm, bei durchschnittlichen Karten zahlst du Gebühren für ein Plastikgehäuse. Die Faustregel: Graden lohnt sich, wenn die Karte gegradet klar mehr wert ist als raw plus alle Kosten. Bei Raw-Karten unter etwa 30 Euro geht die Rechnung fast nie auf. Seit dem 15. September 2026 nimmt PSA Einsendungen direkt in Frankfurt an, CGC sitzt in München, Beckett in Lage. Was die drei kosten und wie lange sie brauchen, haben wir hier aufgeschlüsselt: Pokémon Karten graden lassen 2026. Und wenn du vorher wissen willst, welche Note realistisch ist, schaut sich unser Pre-Grading die Karte vor der Einsendung an.
Diese Karten lohnt es sich immer genauer anzusehen
- Alles aus den Jahren 1999 bis 2003 mit Holo-Fläche, besonders aus dem Base Set, Jungle, Fossil und den Gym-Sets.
- 1st Edition und Shadowless aus den englischen Anfangssets.
- Gold Star Karten aus der EX-Serie, erkennbar am goldenen Stern neben dem Namen.
- Promos und Preiskarten aus japanischen Turnieren, oft ohne reguläre Setnummer.
- Moderne Special Illustration Rares und Alternate Arts der gesuchten Pokémon, allen voran Glurak, Pikachu, Mewtu und die Eeveelutionen.
- Fehldrucke mit verschobenem Druckbild, fehlender Farbe oder falschem Rücken.
- Karten mit Stempel von Turnieren, Vorabveröffentlichungen oder Jubiläen.
Umgekehrt gilt: Energiekarten, Trainerkarten ohne Vollbild und Commons aus modernen Sets sind Cent-Artikel, egal wie alt sie aussehen.
Und der Rest: was Bulk wirklich bringt
Der große Teil jeder Sammlung sind Commons und Uncommons. Einzeln verkauft rechnet sich das nie, im Paket dagegen schon. Sortiere nach Set und Sprache, halte Holos und Reverse Holos getrennt und lege die Karten so ab, dass die Kanten sauber bleiben. Eine sortierte Sammlung bewertet sich deutlich besser als ein gemischter Schuhkarton, einfach weil man sie prüfen kann.
Einmal gegenchecken lassen
Wenn du nach den vier Schritten wissen willst, ob du richtig liegst: Wir machen genau das jeden Tag. Über Ankauf lädst du Fotos hoch und bekommst in der Regel innerhalb von einem bis zwei Werktagen eine Einschätzung mit konkretem Angebot, unverbindlich. Wer seine Karten nicht abgeben, sondern umschichten will, findet unter Trade den Weg über Wertguthaben. Und wenn du beim Bestimmen gemerkt hast, dass dir eine bestimmte Karte fehlt, trag sie in die Wantlist ein: Du bekommst eine Mail, sobald genau diese Karte bei uns steht.
Häufige Fragen
Wie finde ich heraus, welche Karte ich habe?
Unten rechts stehen Kartennummer und Setsymbol. Die Nummer zusammen mit der Sprache bestimmt die Karte eindeutig. Bei japanischen Karten hilft eine Scanner-App beim Namen.
Sind alte Pokémon Karten automatisch wertvoll?
Nein. Entscheidend sind Seltenheit, Zustand und Nachfrage. Eine Common aus dem Base Set liegt bei wenigen Cent, das deutsche Glurak 4/102 aus demselben Set bewegt sich raw im mittleren dreistelligen Bereich und gegradet mit hoher Note um ein Vielfaches darüber.
Kann ich den Wert kostenlos ermitteln?
Ja. Verkaufte Angebote und Preisverläufe sind frei einsehbar, du brauchst kein Abo. Wichtig ist nur, dass du auf verkaufte Exemplare schaust und Sprache, Version und Zustand abgleichst.
Wie viel macht der Zustand aus?
Bei modernen Karten sinkt der Preis mit jeder Stufe deutlich, bei Vintage-Karten ist der Abstand zwischen Near Mint und Played am größten. Eine Karte mit weißen Ecken bringt oft die Hälfte oder weniger.
Lohnt sich Graden bei meiner Karte?
Nur wenn der Wertsprung die Gebühr klar übersteigt. Bei Raw-Karten unter etwa 30 Euro geht die Rechnung fast nie auf. Unser Pre-Grading sagt dir vorher, welche Note realistisch ist.
Sind japanische Karten mehr wert als deutsche?
Unterschiedlich. Bei normalen Karten sind japanische meist günstiger, weil die Auflagen größer sind. Bei Special Arts und Promos ist es oft umgekehrt.
Woran erkenne ich, dass eine Karte echt ist?
An Druckbild, Schriftbild und Rückseite: Fälschungen zeigen unscharfe Ränder, falsche Farbtöne im blauen Rücken und oft eine glatte, zu glänzende Oberfläche. Ein Lichttest hilft zusätzlich, weil echte Karten eine schwarze Zwischenschicht haben und weniger Licht durchlassen. Dazu schreiben wir demnächst eine eigene Anleitung.
Stand: 16. September 2026. Preisangaben sind Orientierungswerte und ändern sich mit dem Markt. Pokémon und alle zugehörigen Namen sind Marken von Nintendo, Creatures Inc. und GAME FREAK inc.
- Karten verkaufen: Feste Bewertung statt Schätzung, mit Foto jeder Karte.
- Pre-Grading: Vor dem Einsenden prüfen lassen, welche Karte eine Note holt.
- Die KaraCardz Wantlist: Karte merken und Mail bekommen, sobald sie im Shop steht.
- Was Grading 2026 kostet: PSA, Beckett und CGC im Vergleich, mit Laufzeiten.
- Zustand deiner Karten bestimmen: von Mint bis Poor, mit Schräglicht-Probe und den vier Prüfstellen.
- Fälschungen erkennen: Karten, Slabs und Sealed-Ware sicher prüfen.
- Base Set Holos: Alle 16 Holo-Karten und ihre Ausgaben im Überblick.