Zustand von Pokémon Karten bestimmen: Near Mint, Excellent und Co. richtig einschätzen
Near Mint oder doch Excellent? Bei dieser Frage liegen die meisten eine Stufe zu hoch, und zwar nicht mit Absicht, sondern weil sie ihre Karte unter der Deckenlampe anschauen. Einen feinen Kratzer auf der Holo-Fläche, eine kleine Druckstelle oder erstes Kantenweiß sieht man dort schlicht nicht. In diesem Ratgeber zeigen wir dir die sieben Zustandsstufen, die wir im Ankauf, im Trade und für unsere Einzelkarten auf Cardmarket verwenden, die vier Stellen, auf die es ankommt, und die Schräglicht-Probe, mit der du in zwei Minuten siehst, was sonst erst dem Käufer auffällt.
Das Wichtigste in Kürze
- Sieben Stufen, von Mint bis Poor. Mint, Near Mint, Excellent, Good, Lightly Played, Played und Poor: diese Einteilung gilt bei uns im Ankauf, im Trade und auf Cardmarket. Mint heißt perfekt, im Ankauf und im Trade ist Near Mint die oberste Auswahl.
- Near Mint heißt wie frisch aus dem Booster. Ein kleiner weißer Punkt an einer Kante ist erlaubt. Eine Druckstelle oder ein Kratzer, der im Schräglicht aufblitzt, bedeutet Excellent.
- Die Deckenlampe versteckt Fehler. Erst flaches Licht von der Seite zeigt Kratzer, Dellen und Wellen.
- Die Rückseite zählt mit. Kantenweiß zeigt sich fast immer zuerst auf dem blauen Rand.
- Im Zweifel die niedrigere Stufe. Eine ehrliche Angabe spart beim Verkauf Zeit und Rückfragen.
Die sieben Zustandsstufen im Überblick
Diese Einteilung ist im Handel mit Sammelkarten in Europa üblich, und wir verwenden sie überall, vom Ankauf bis zu unseren Einzelkarten auf Cardmarket. Auf Cardmarket heißt Lightly Played kurz Light Played, gemeint ist dasselbe.
| Stufe | Woran du sie erkennst |
|---|---|
| Mint | Perfekt: keine einzige Spur, auch nicht im Schräglicht. Scharfe Ecken, makellose Kanten ohne weißen Punkt, keine Kratzer, keine Druckstellen, kein Knick. |
| Near Mint | Wie frisch aus dem Booster: scharfe Ecken, saubere Kanten, auch im Schräglicht keine Kratzer, keine Druckstellen, kein Knick. Ein kleiner weißer Punkt an einer Kante oder Ecke (Whitening) ist erlaubt. |
| Excellent | Minimale Spuren: leichtes Kantenweiß an einzelnen Stellen, ein feiner Kratzer oder eine kleine Druckstelle, die erst im Schräglicht auffällt. Kein Knick. |
| Good | Leichte, aber sichtbare Gebrauchsspuren: Kantenweiß an mehreren Seiten, minimal abgerundete Ecken, einzelne Kratzer auch ohne Schräglicht. Die Karte liegt plan. |
| Lightly Played | Deutlich gespielt: Kantenweiß rundum, mehrere sichtbare Kratzer, ein leichter Knick an einer Ecke oder eine leichte Welle. |
| Played | Starke Gebrauchsspuren: deutliche Knicke, Wellen, abgestoßene Ecken, Verfärbungen oder Schmutz. |
| Poor | Schwer beschädigt: Risse, Wasserschaden, Beschriftung, fehlende Stücke oder starke Knicke. |
Mint vergeben wir nur für wirklich perfekte Karten ohne jede Spur. Im Ankauf und im Trade ist Near Mint die oberste Auswahl, eine perfekte Karte gibst du dort als Near Mint an. Wer es noch genauer wissen will, landet beim Grading: dort gibt es Noten von 1 bis 10.
Die vier Prüfstellen
Jede Karte schauen wir an denselben vier Stellen an, jeweils auf der Vorder- und der Rückseite. Du kannst das genauso machen:
- Ecken. Spitz und scharf ist Mint oder Near Mint. Sobald eine Ecke rund wirkt, weiß ausfranst oder leicht umgebogen ist, geht es nach unten. Die Handy-Kamera mit Zoom ersetzt hier eine Lupe.
- Kanten. Halte die Karte vor einen dunklen Untergrund und schau auf den blauen Rand der Rückseite. Weiße Pünktchen oder Striche sind Kantenweiß, im Englischen Whitening.
- Oberfläche. Kratzer, Druckstellen, Abdrücke und Wellen. Die meisten davon siehst du nur mit der Schräglicht-Probe, besonders auf Holo- und Vollbild-Karten.
- Zentrierung. Sind die Ränder links und rechts, oben und unten gleich breit? Eine schiefe Zentrierung entsteht beim Druck und ist kein Gebrauchsschaden. Beim Grading drückt sie aber spürbar die Note.
Die Schräglicht-Probe: so siehst du, was die Deckenlampe versteckt
Von oben beleuchtet wirkt fast jede Karte makellos. Diffuses Licht, etwa von der Deckenlampe, füllt kleine Vertiefungen aus, und genau darin verstecken sich Kratzer und Druckstellen. Streicht das Licht dagegen flach über die Karte, werfen dieselben Stellen plötzlich Glanz oder Schatten. So gehst du vor:
- Raum abdunkeln. Deckenlicht aus, nur eine einzelne Lichtquelle: eine Schreibtischlampe oder die Taschenlampe deines Handys.
- Licht flach halten. Die Lampe fast auf Tischhöhe, sodass das Licht beinahe waagerecht über die Karte streicht.
- Karte langsam drehen und kippen. Einmal ganz herum, in kleinen Schritten. Kratzer leuchten nur in einem bestimmten Winkel auf.
- Holo-Fläche besonders genau ansehen. Feine Kratzer im Glanz und kleine Dellen, die wie ein Punkt mit hellem Hof aussehen, sind die häufigsten Funde.
- Rückseite genauso prüfen. Auf der dunkelblauen Rückseite fallen Druckstellen und Wellen oft sogar besser auf als vorne.
- Zum Schluss Kanten und Ecken. Karte vor einen dunklen Grund halten und mit dem Handy-Zoom rundherum gehen.

Blitzt bei der Probe eine Druckstelle oder ein Kratzer deutlich auf, ist die Karte nicht mehr Near Mint. Genau das ist die häufigste Abweichung, die wir beim Eingang von Karten sehen: eine Stufe, meist von Near Mint auf Excellent.
Die häufigsten Fehleinschätzungen
- „Frisch aus dem Booster, also Near Mint.“ Meistens ja, aber nicht immer. Schon ab Werk gibt es Kantenweiß, Druckstellen und Kratzer, und beim Öffnen des Boosters knickt schnell eine Ecke.
- „Lag immer in der Hülle.“ Auch im Sleeve entstehen Druckstellen, etwa durch Gummibänder, schwere Stapel oder die Ringe einer Sammelmappe. Und in einer zu engen Hülle leiden beim Einschieben die Kanten.
- „Vorne sieht sie perfekt aus.“ Die Rückseite zählt genauso. Kantenweiß zeigt sich auf dem blauen Rand fast immer zuerst.
- „Unter der Lampe war nichts zu sehen.“ Unter der Deckenlampe ist fast nie etwas zu sehen. Erst die Schräglicht-Probe zeigt, was ein Käufer im ersten Moment findet.
- „Ist doch nur ein kleiner Knick.“ Ein Knick bleibt ein Knick, auch ein kleiner. Damit ist die Karte weder Near Mint noch Excellent.
Zustand und Grading: Near Mint ist keine PSA 10
Zustandsstufen und Grading-Noten messen zwei verschiedene Dinge. Die Stufe beschreibt in Worten, wie stark eine raw Karte benutzt wurde. Eine Note von PSA, Beckett oder CGC bewertet die Karte nach festen Kriterien von 1 bis 10 und versiegelt sie mit Zertifikat. Eine Near-Mint-Karte kann eine 10 werden, aber genauso eine 8, wenn die Zentrierung schief ist oder ein winziger Fehler in der Oberfläche auffällt. Bevor du eine Karte einschickst, lohnt deshalb der Blick in unser Pre-Grading: Wir sagen dir vorher, welche Note realistisch ist. Was die Einsendung selbst kostet, steht in unserem Überblick Pokémon Karten graden lassen 2026.
Vintage und moderne Karten: andere Maßstäbe
Bei Karten aus den letzten Jahren gehen Käufer von Near Mint aus, schon Excellent drückt dort den Preis deutlich. Bei Vintage, also Karten von 1999 bis etwa 2003, ist das anders: Nach über zwanzig Jahren sind Excellent und Lightly Played normal und völlig in Ordnung, solange es ehrlich angegeben ist. Eine wirklich saubere Near-Mint-Karte aus dieser Zeit ist selten und entsprechend gesucht. Wie stark der Zustand den Preis bewegt, zeigen wir in unserer Anleitung Pokémon Karten Wert ermitteln.
So bleibt der Zustand erhalten
- Sofort in die Hülle. Karten, die du behalten willst, direkt nach dem Öffnen in einen Sleeve stecken, bevor sie über den Tisch rutschen.
- Wertvolle Karten doppelt schützen. Sleeve plus Toploader oder Cardsaver, damit nichts knickt. Für eine Einsendung zum Grading wollen PSA, Beckett und CGC ohnehin einen Cardsaver.
- Keine Gummibänder, keine übervollen Mappen. Beides hinterlässt Druckstellen, die man später im Schräglicht sieht.
- Trocken und dunkel lagern. Feuchtigkeit wellt Karten, direktes Sonnenlicht bleicht die Farben aus.
Sleeves und unsere eigenen Cardsaver findest du in unserem Zubehör.
Zustand angeben beim Ankauf und im Trade
Wenn du uns Karten verkaufst oder tauschst, wählst du für jede Karte einen Zustand, und unser Angebot beruht auf deinen Fotos und dieser Angabe. Beim Eingang prüfen wir jede Karte. Passt alles, zahlen wir direkt nach der Prüfung aus. Weicht der Zustand ab, bekommst du zuerst ein angepasstes Angebot, das du annehmen oder ablehnen kannst. Bei Ablehnung schicken wir dir die Karten auf unsere Kosten zurück. Das ist fair, kostet aber Zeit. Drei Tipps, damit es schnell geht:
- Im Zweifel die niedrigere Stufe. Liegst du zwischen zwei Stufen, nimm die untere. Dann gibt es beim Eingang keine Überraschung.
- Bei teuren Karten ein Foto im Schräglicht. Neben Vorder- und Rückseite zeigt uns ein zusätzliches Foto mit flachem Licht Kratzer und Druckstellen schon vorab, dann stimmt das Angebot von Anfang an.
- Alle Karten mit demselben Maßstab. Prüf jede Karte einer Anfrage mit der Schräglicht-Probe, nicht nur die teuerste. Bei größeren Sammlungen sehen wir die meisten Abweichungen.
Hier geht es zum Ankauf und zum Trade.
Häufige Fragen
Was bedeutet Near Mint bei Pokémon Karten?
Near Mint heißt: wie frisch aus dem Booster. Scharfe Ecken, saubere Kanten und eine Oberfläche ohne Kratzer oder Druckstellen, auch im Schräglicht. Ein kleiner weißer Punkt an einer Kante ist erlaubt. Darüber steht nur Mint, die perfekte Karte ohne jede Spur.
Was ist der Unterschied zwischen Mint und Near Mint?
Mint ist eine perfekte Karte ohne jede Spur, auch im Schräglicht nicht. Near Mint darf einen kleinen weißen Punkt an einer Kante oder Ecke haben, sonst gilt dasselbe: scharfe Ecken, keine Kratzer, keine Druckstellen, kein Knick.
Was ist der Unterschied zwischen Near Mint und Excellent?
Excellent hat minimale Spuren, die bei Near Mint fehlen: leichtes Kantenweiß an mehreren Stellen, ein feiner Kratzer oder eine kleine Druckstelle. Meist sieht man den Unterschied erst mit flachem Licht von der Seite.
Ist eine Karte aus einem frischen Booster automatisch Near Mint?
Nein. Auch neue Karten haben manchmal Kantenweiß, Druckstellen oder Kratzer ab Werk, und beim Öffnen passiert schnell ein Knick. Prüf sie deshalb genauso wie eine ältere Karte.
Was ist Kantenweiß?
Kantenweiß, englisch Whitening, sind helle Stellen an Kanten und Ecken, an denen die Farbe abgerieben ist. Am deutlichsten siehst du es auf dem dunkelblauen Rand der Rückseite.
Zählt die Zentrierung zum Zustand?
Eine schiefe Zentrierung entsteht beim Druck und ist kein Gebrauchsschaden. Beim Grading spielt sie aber eine große Rolle und kann die Note deutlich drücken.
Kann man den Zustand einer Karte verbessern?
Nicht ohne Risiko. Glätten, Pressen oder Reinigen kann die Karte weiter beschädigen. Besser: Karte so lassen, wie sie ist, und ab jetzt gut schützen.
Was passiert, wenn ich den Zustand beim Ankauf falsch einschätze?
Wir prüfen jede Karte beim Eingang. Weicht der Zustand ab, bekommst du ein angepasstes Angebot, das du annehmen oder ablehnen kannst. Bei Ablehnung schicken wir dir die Karten auf unsere Kosten zurück.
Stand: 24. September 2026. Pokémon und alle zugehörigen Namen sind Marken von Nintendo, Creatures Inc. und GAME FREAK inc.
- Pokémon Karten Wert ermitteln: In vier Schritten zum realistischen Preis.
- Karten verkaufen: Feste Bewertung statt Schätzung, mit Foto jeder Karte.
- Pre-Grading: Vor dem Einsenden prüfen lassen, welche Note realistisch ist.
- Was Grading 2026 kostet: PSA, Beckett und CGC im Vergleich, mit Laufzeiten.
- Fälschungen erkennen: Karten, Slabs und Sealed-Ware sicher prüfen.